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Demografische Entwicklung in Baden-Württemberg – Perspektiven für Jung und Alt

Demografiebeauftragter des Landes Baden-Württemberg zu Gast bei der Gemeinschaftsveranstaltung von FrauenUnion, Jungen Union und Senioren-Union im Landkreis Böblingen

„Die Zukunft steht nicht fest. Es ist unsere Aufgabe, sie im Guten zu gestalten“ sagte der Demografiebeauftragte des Landes Thaddäus Kunzmann am 25.Juni 2019 in Böblingen.
Bei der gemeinsamen Veranstaltung von Frauen-Union, Junge Union und Senioren-Union im Landkreis Böblingen ging es vor allem um unsere alternde Gesellschaft sowie die Herausforderungen des demografischen Wandels. Die Alterung der Gesellschaft bringt mit sich nicht nur Probleme, sondern öffnet die Chancen, unterstrich der Landesdemografiebeauftragte Thaddäus Kunzmann.
Zum einen verschiebt sich tatsächlich die Altersstruktur der Bevölkerung in das höhere Alter, weil immer noch zu wenige Kinder im Land geboren werden. Zum anderen hat sich in den letzten 100 Jahren die Lebenserwartung in Deutschland verdoppelt. Jede Zweite heute 50-jährige Frau erlebt ihren 90. Geburtstag. Aber „eine höhere Lebenserwartung allein ist kein Wert an sich“, betont Kunzmann, „denn es kommt auch auf die Lebensqualität an“.
Zur Zeit werden in Deutschland  1,57 Kinder pro Elternpaar geboren, was den höchsten Stand seit 1978 darstellt, das sind vor allem die geburtenstarken Jahrgänge aus den 60er und 70er Jahren. Es müssten jedoch 2,1 Kinder geboren werden, damit die Alterspyramide in einer günstigen Form erhalten bleibt.
Wenn die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter kommen,  werden es in ca. 15 Jahren viele Personen sein. Es werden wohl aber weniger Kinder sein, die für sie sorgen können. Im Moment werden ca. 70 % der pflegebedürftigen innerhalb der Familien versorgt. Das wird sich ändern, denn die Kinder leben durch die guten Ausbildungsmöglichkeiten oft in aller Welt verstreut und können nicht mal schnell nach den Eltern schauen. Oder aber die betroffenen Personen sind kinderlos.
Hier wächst eine Generation heran, die später alleine leben wird, d.h. auch, dass mehr 2-Zimmer-Wohnungen benötigt werden. Wahrscheinlich auch ein Grund, dass heute jeder Fünfte über 65-Jährige an Depressionen leidet, was dann oft auch in eine Demenz übergeht.
Kein Bundesland ist so gewachsen wie Baden-Württemberg und dies wird nach seiner Einschätzung noch ca. 15 Jahre weiterwachsen. Bis vor wenigen Jahren ging man noch von einer abnehmenden Bevölkerung aus. Dadurch wurden weniger Wohnungen geplant. Die Probleme dieser Planung sind nun die Wohnungsnot und der Fachkräftemangel bei den heimischen großen Firmen. Dies bedeutet für die Firmen, dass sie nicht in dem Maße wachsen können, ihnen Gewinn und den Gemeinden Steuern entgehen.
Die Qualität des Lebens hängt in Deutschland auch davon ab, wo man wohnt. Denn die Bevölkerungsstruktur entwickelt sich im unseren Land extrem auseinander: während ländliche Regionen teils Einwohner verlieren, werden die städtischen Ballungsräume immer größer. Kunzmann: „Wie schaffen wir es, dass auch in den Dörfern Versorgungseinrichtungen wie Bäcker, Metzger, Gemüseladen, Apotheke und Arzt erhalten bleiben?“. In vielen Dörfern gibt es heute keine Schulen, Läden, Gaststätten, Post- und Bankfilialen mehr. Das Ziel der Politik muss sein, den Zugzug in die größeren Städte zu stoppen und wieder mehr Familien im ländlichen Raum anzusiedeln, damit die Infrastruktur mit Schulen, Ärzten und Lebensmittelversorgung erhalten bleibt, der ländliche Raum muss gestärkt werden, zumal der Anteil der Menschen, die angeben, dass sie gerne „auf dem Land“ leben würden, seit Jahren hoch ist. Oft sind es junge Familien, für die das Leben auf dem Land eine attraktive Alternative zur Stadt darstellt.
Der ländliche Raum ist in Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern wohlhabend, denn große Weltmarktführer sind in ländlichen Gebieten angesiedelt und sichern so die Arbeit. Auch flächendeckend ist hier eine Hochschul-Landschaft entstanden, wie in keinem anderen Bundesland.
Allerdings ist die Mobilität mit Bussen  und Bahnen optimierungsfähig. Hier muss mehr getan werden, denn ältere Menschen sind oft nicht mehr so mobil.
Für alle Regionen sind die Versorgungseinrichtungen, flexible Mobilitätsangebote und schnelles Internet selbstverständlich wichtig. Aber das ist noch nicht alles: „Die Leute müssen einen Grund haben, das Haus zu verlassen. Sehen und gesehen werden“, sagt Kunzmann. Menschen brauchen Gelegenheiten, miteinander in Kontakt zu treten und etwas für sich und andere zu tun. Darum müssen wir das bürgerschaftliche Engagement fördern und in die Nachbarschaftsarbeit mehr investieren. Die Quartiersarbeit reduziert die Vereinsamung und wirkt evtl. chronischen Krankheiten wie Depressionen entgegen.
Was tut die Politik, um den negativen demografischen Trends entgegenzuwirken? Um die komplexen demografischen Probleme zu lösen, sind koordinierte und zielorientierte Handlungen aller betroffenen Akteure auf unterschiedlichen Ebenen notwendig. Die Chance ist aber da, sagt Kunzmann. Denn dank einer klugen baden-württembergischen Strukturpolitik der vergangenen Jahrzehnte hat das Land gute und vielleicht die in ganz Deutschland besten Voraussetzungen dafür, um die demografischen Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen.
Das Thema Demografie, so Kunzmann, wurde bereits unter dem ehemaligen Ministerpräsidenten Günter H. Oettinger behandelt. Leider geriet das Thema in den Hintergrund durch die Finanzkrise und die Flüchtlingswelle.
In der anschließenden Diskussion, die der JU-Vorsitzende Matthias Miller leitete,  ging der Referent noch auf Fragen wie das evtl. Ausbluten von kleinen Gemeinden und das Hinterherhinken der Infrastruktur in den Großstädten ein. Aber auch Anreize für Vermieter beim Umbau von Mietwohnungen in barrierefreie Wohnungen sowie Pflegepersonal und Betreuung im Alter wurden nochmals angesprochen. Wichtig war es Thaddäus Kunzmann darauf hinzuweisen, dass die Prävention gestärkt werden muss, damit Gesunde gesund bleiben und chronische Krankheiten vermieden werden.
Als Herr Kunzmann seine Arbeit als Demografiebeauftragter vor 2 Jahren angefangen hat, fand er nur ein Büro und einen leeren Schreibtisch vor. Es ist beeindruckend, so Brigitte Schick von der SeniorenUnion,  was er in diesen zwei Jahren geschaffen und angepackt hat.
Die Vorsitzende der FU, Elke Staubach, gab anschließend einen kurzem Umriss über die Aktionen der Frauen-Union. Dabei appellierte sie beim Neubau des Klinikums am Flugfeld einen Betriebskindergarten im Auge zu behalten, damit man als Arbeitgeber mit einem attraktiven Angebot punkten kann.
Die drei Veranstalter bedankten sich mit „Nervennahrung“ aus Waldenbuch beim Demografiebeauftragten.
27.06.2019
Regina Stähle
Kreis-FrauenUnion

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